Vom Handy-Schnappschuss zum spannenden Urlaubsbild

Aktualisiert: 8. Aug.


Im Urlaub war die Landschaft doch so beeindruckend. Gleich zehnmal hast du auf den Auslöser deines Smartphones gedrückt, aber zu Hause bist du enttäuscht. Die Bilder sind langweilig, nicht eines strahlt aus, was dir deine Erinnerung zeigt. Du bist eben kein Profi. Und so eine Handykamera…na ja.


Falsch. Dein Handy kann hervorragende Urlaubsbilder machen. Und du kannst es auch - wenn du einige Regeln und Tipps beachtest.


In kaum einem technischen Bereich ist der Fortschritt innerhalb weniger Jahre so rasant gestiegen wie in dem der Handykameras. Heute haben sie mit bis zu 12 Megapixeln eine hohe Auflösung, sind sehr lichtempfindlich und warten oft mit mehreren Objektive und vielen Extra-Funktionen auf. Gegenüber einer normalen Fotokamera haben sie einen enormen Vorteil: Man muss sie nicht eigens mitschleppen. Das Handy ist immer dabei und schnell gezückt, wenn dir ein gutes Motiv ins Auge springt. Wichtig ist jetzt zuerst, auf eine saubere Linse zu achten. Danach kommt es vor allem auf die Auswahl des Motivs, die Komposition und das Licht an.


Natürliches Beautylicht

Meide die pralle Sonne. Gerade mittags lässt das harte Sonnenlicht Farben verblassen und verursacht sehr hohen Kontrast. In Gesichtern gibt es unerwünschte Schatten, Augen werden zusammengekniffen. Ob du Menschen, Landschaften oder Gebäude fotografierst – suche stets nach dem „Beautylicht“, wie ich es nenne. Du findest es morgens und am späten Nachmittag, im Schatten eines Hauses oder mittags in einem Wald, bei Innenräumen in der Nähe eines Fensters.

Normalerweise regelt deine Handykamera Belichtung und Schärfe über die Autobelichtungs- und Autofokussierungsfunktion (AE/AF). Wenn du diese Funktion sperrst, indem du mit dem Finger lange auf das Display tippst (AE/AF Sperre), kannst Du die Beleuchtung von Hand etwas dunkler einstellen. Dein Bild wird professioneller wirken.


Bei Fotos ist die Mitte nicht golden

Für die Komposition eines Bildes mit Landschaft spielt der Horizont eine wichtige Rolle. Er teilt die meisten Bilder in zwei Teile, trennt Himmel und Erde. Hier wird sehr oft der Fehler gemacht, den Horizont genau in der Bildmitte zu platzieren. Die Wirkung ist langweilig, weil weder der obere noch der untere Bereich betont werden; es fehlt ein Akzent. Durch die ungewollte Zweiteilung verliert auch das Bild von der schönsten Badebucht unter blauem Himmel die Spannung. Besser ist, den Horizont (den Sie bitte immer gerade aufnehmen, nicht schräg), im oberen oder unteren Drittel des Bildes anzuordnen.

Die „Drittelregel“ und der Tipp „Weg von der Mitte“ gelten aber nicht nur für den Horizont: Jedes Motiv gewinnt an Spannung, wenn es gezielt aus dem Bildzentrum herausgerückt wird. Um deine Bildkomposition aktiv zu gestalten, aktiviere deshalb die Rasterfunktion in den Einstellungen ihres Smartphones. Auf dem Display erscheinen feine Linien und unterteilen das Bild in 9 gleichgrosse Felder. Nutze die vertikalen und Horizontalen Schnittpunkte der Linien für die Bildkomposition. Ich empfehle, das Raster immer aktiviert zu haben, weil es auch dabei hilft, die Kamera gerade auszurichten.



Das Spiel mit den Motiven

Spiele mit Motiven. An der Badebucht zum Beispiel rücke eine Muschel in den Vordergrund (Linienschnitt links oder rechts unten) und lassen Wasser und Himmel die oberen Teile des Bildes mit Leben füllen. Verändere deinen Standort und auch die Höhe, aus der du fotografierst, wähle unterschiedliche Ausschnitte und vergleiche die Wirkung – nicht nur am Strand, sondern auch vor einer Sehenswürdigkeit, auf einer Wiese oder bei Aufnahmen von Menschen.

Du wünschst dir schöne Bilder von Freunden und der Familie im Urlaub. Mit der unauffälligen Handykamera gelingt vielleicht mancher Schnappschuss – das Stichwort hier heisst: beobachtendes Fotografieren –, aber sobald du die Menschen aufforderst zu lächeln, näher zusammenzurücken oder dich anzusehen, geht die Natürlichkeit einer Szene verloren, wirken die Bilder gestellt. Mein Tipp: Seid alle zusammen albern. Lass zum Beispiel alle einmal hochspringen. Und benutze die Serienfunktion deines Handys. Bei vielen Telefonmodellen reicht es, den Finger auf den Auslöser zu legen und nach links zu ziehen. Wenn du beispielsweise eine Unterhaltung fotografierst, bekommst du auf diese Weise viele Bilder zur Auswahl.



Eine der wichtigsten Funktionen: das Löschen

Ich empfehle dir dringend, am Ende eines jeden Urlaubstages deine Bilder kritisch zu sichten. Behalte nur die besten fünf Aufnahmen. Am Ende des Urlaubs hast du so, ein Album gelungener Bilder und nicht hunderte von mehr oder weniger optimalen Schnappschüssen. Wenn du ein Bild gelungen findest, aber ein Element stört, kannst du auch retuschieren. Solltest Du also erst bei der Durchsicht merken, dass bei der perfekt komponierten Aufnahme von der Muschel am Strand am Rand jemand ins Bild gelaufen ist: Weg mit dem Störenfried. Zwei Apps, die sich sehr gut zum Retuschieren eignen, sind: TouchRetouch und Snapseed. Für Effekte, wie einen unscharfen Hintergrund empfehle ich ausserdem Focos oder Lensa. Alle Apps gibt es sowohl für iOS als auch für Android.

Über Iris Müller:

Iris Müller ist iPhone-Fotografin und Videografin sowie Arbeits- und Organisationspsychologin. 2018 hat sie ihre Liebe zur Handy-Video- und Fotografie zum Beruf gemacht.


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